Fachtagung zu 20 Jahren Pinardi-Konzept

Veröffentlicht am: 18. November 2018

Helenenberg - Mit einer Fachveranstaltung hat das Jugendhilfezentrum Don Bosco Helenenberg an die Entwicklung des „Pinardi-Konzepts“ vor 20 Jahren erinnert. Es ist eine Hilfe für die Arbeit mit Jugendlichen, die sexuelle Grenzen verletzt haben oder sexuell übergriffig geworden sind.

Helenenberg - In seinem Einleitungsvortrag erinnerte Br. Jean-Paul Muller, Generalökonom in Rom, an die Erkenntnis, dass es nicht genügt, „sich in der Jugendhilfe nur mit den Opfern von sexuellen Übergriffen und sexueller Gewalt im Jugendalter zu befassen. Irgendwann bekommt man es auch mit jugendlichen Tätern zu tun.“ Vor der Einführung des Pinardi-Konzepts war es zunächst nötig, im Austausch mit Fachleuten in Deutschland und im Ausland das Know-how zum Aufbau einer Therapieeinrichtung in Helenenberg zu erwerben. Zudem brauchte es eine neue Kultur des gegenseitigen Respekts: Einerseits sollen die jugendlichen Täter von Anfang an lernen, offen zu ihren Taten zu stehen. Andererseits sollten sie aber auch als junge Menschen respektiert werden, die neben ihrer Therapie zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Diese Vorstellung traf damals auf manchen Vorbehalt, wie sich Kolleginnen und Kollegen der ersten Stunde erinnerten.

Früher wurden jugendliche Täter von der Jugendhilfe als nicht tragbar angesehen. Mit dem Pinardi-Konzept haben sie nun die Möglichkeit, in Verbindung mit einer Therapie einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung zu machen. Diese Innovation gab auch den Anstoß, sich mit anderen Problemfeldern der Jugendhilfe auseinanderzusetzen, wie Betreuung von strafunmündigen Jugendlichen, die schon vielfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Im Hauptreferat des Fachtages berichtete Torsten Kettritz, Kinder- und Jugendtherapeut aus Dessau, über die Arbeit mit sexuell grenzverletzenden oder übergriffigem Verhalten im Geschwisterkontext. Dieser Bereich wird oft nicht in den Blick genommen, da es für die Familien besonders schwierig ist, dass Täter wie Opfer unter demselben Dach aufwachsen. An Fallbeispielen machte er deutlich, dass die Aufarbeitung des Geschehenen nur möglich sei, wenn einerseits der Schutz der Opfer und der Familie in den Blick genommen wird, und andererseits die Aufarbeitung des Übergriffs oder Missbrauchs mit dem Täter erfolgt. Die Täter müssen lernen, den Übergriff als ihre Tat anzuerkennen. Auch müssen sie ihr Verhalten so verstehen lernen, dass sie ihren Gefährdungen vorbeugen können.

Am Nachmittag nach der Jubiläumsveranstaltung luden die Jugendlichen aus den beiden Therapiegruppen des Jugendhilfezentrums Helenenberg Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem Beachvolleyballturnier mit Imbiss ein.

P. Meinolf v. Spee

Foto: V. l. n. r.: Hauptreferent Torsten Kettritz, Einrichtungsleiterin Sieglinde Schmitz, Br. Jean-Paul Muller, Provinzialvikar P. Christian Vahlhaus SDB.